Der dritte Anlauf an die Börse
Creality hat an der Hongkonger Börse einen IPO beantragt – zum dritten Mal. Der Prospekt zeigt beeindruckende Umsatzzahlen, aber auch deutliche Spuren des Wettbewerbs mit Bambu Lab.
Die Zahlen
Der Umsatz stieg von 1,35 Milliarden RMB (2022) auf 3,13 Milliarden RMB (2025). Creality bleibt mit 4,4 Millionen verkauften Einheiten zwischen 2020 und 2024 der weltweit größte Hersteller von Consumer-3D-Druckern – zumindest kumuliert.
Ein genauerer Blick zeigt aber: Die durchschnittlichen Verkaufspreise stiegen von 1.306 auf 2.404 RMB, während die Stückzahlen von 842.000 auf 742.000 fielen. Creality setzt auf höhere Preise statt Volumenwachstum. Bambu Lab hat 2024 allein 1,2 Millionen Drucker ausgeliefert – Creality nur rund 700.000.
Die F&E-Ausgaben haben sich auf 222 Millionen RMB mehr als verdoppelt, die Marketingkosten explodierten auf das Neunfache (270 Millionen RMB). Ergebnis: 182,4 Millionen RMB Nettoverlust 2025, nach 88,7 Millionen Gewinn im Vorjahr.
Creality Cloud und Nexbie
Ein zentraler Teil der IPO-Erzählung ist die Plattformstrategie. Creality Cloud hat 5,7 Millionen registrierte Nutzer. Seit August 2025 gibt es Nexbie, eine E-Commerce-Plattform für 3D-gedruckte Produkte. Die Idee: Wiederkehrende Einnahmen durch Software, Inhalte und Verbrauchsmaterialien. Aktuell verkauft Nexbie allerdings nur Creality-eigene Produkte – ein echter Marktplatz ist das noch nicht.
Was heißt das für den Markt?
Der Consumer-3D-Druck wächst laut Schätzungen von 4,1 Milliarden Dollar (2024) auf 16,9 Milliarden Dollar bis 2029. Der Wettbewerb zwischen Creality und Bambu Lab treibt Innovation und drückt Preise – gut für uns als Anwender. Gleichzeitig zeigt der Trend Richtung Ökosystem: Drucker und Software werden enger verzahnt, ähnlich wie bei Smartphones. Ob das langfristig mehr Komfort oder mehr Lock-in bedeutet, bleibt abzuwarten.