IPO-Plan des 3D-Druck-Pioniers
Der chinesische 3D-Drucker-Hersteller Creality hat einen Börsengang (IPO) an der Hongkonger Börse beantragt – der dritte Versuch des Unternehmens, an die Börse zu gehen. Der im März 2026 veröffentlichte Prospekt zeigt beeindruckende Umsatzzahlen, aber auch deutliche Anzeichen für zunehmenden Wettbewerbsdruck, insbesondere durch den Rivalen Bambu Lab.
Rekordumsatz und Marktposition
Laut Prospekt steigerte Creality seinen Gesamtumsatz von 1,35 Milliarden RMB im Jahr 2022 auf 3,13 Milliarden RMB im Jahr 2025. Das Unternehmen bleibt mit insgesamt 4,4 Millionen verkauften Einheiten zwischen 2020 und 2024 der weltweit größte Hersteller von Consumer-3D-Druckern. Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt ein differenzierteres Bild: Während die durchschnittlichen Verkaufspreise von 1.306 RMB auf 2.404 RMB stiegen, sanken die verkauften Stückzahlen von 842.000 auf 742.000. Creality setzt eher auf höhere Preise als auf Volumenwachstum.
Der Wettbewerber Bambu Lab hat die Messlatte mit seinen schnellen, automatisierten und mehrfarbigen Druckern deutlich höher gelegt. Im Jahr 2024 lieferte Bambu Lab 1,2 Millionen Drucker aus, Creality nur etwa 700.000 Einheiten. Das entspricht einem Marktanteil von 29% für Bambu Lab gegenüber 16,9% für Creality bei den jährlichen Auslieferungen.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Creality seine Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E) mehr als verdoppelt – auf 222 Millionen RMB im Jahr 2025. Gleichzeitig stiegen die Marketingkosten um das Neunfache auf 270 Millionen RMB, da das Unternehmen verstärkt auf Direktvertrieb setzt. Diese Ausgaben führten zu einem Nettoverlust von 182,4 Millionen RMB im Jahr 2025, nach einem Gewinn von 88,7 Millionen RMB im Vorjahr.
Die Plattformstrategie: Creality Cloud und Nexbie
Ein zentraler Bestandteil der IPO-Erzählung ist die Entwicklung von wiederkehrenden Einnahmequellen. Creality betreibt mit Creality Cloud eine Online-Community mit 5,7 Millionen registrierten Nutzern. Im August 2025 startete das Unternehmen zudem Nexbie, eine E-Commerce-Plattform für 3D-gedruckte Produkte, die unter anderem mit Tencent's Hunyuan3D-KI-Tools zusammenarbeitet. Die Idee: Durch Software, Inhalte und Verbrauchsmaterialien wiederkehrende Einnahmen generieren und die Abhängigkeit von einmaligen Hardwareverkäufen verringern. Allerdings verkauft Nexbie derzeit nur Produkte von Creality selbst – eine echte Marktplatzfunktion fehlt noch.
CEO Jack Chen vergleicht den aktuellen Stand des Desktop-3D-Drucks mit der Anfangszeit der Personal Computer: Die meisten potenziellen Nutzer hätten die Technologie noch nie ausprobiert. Investoren müssten vor allem das nachhaltige Wachstum des Marktes sehen, nicht nur kurzfristige Gewinne.
Was bedeutet das für 3D-Drucker-Nutzer?
Für Anwender von 3D-Druckern ist dieser Börsengang aus mehreren Gründen relevant. Erstens zeigt er, dass der Markt für Consumer-3D-Drucker weiterhin stark wächst – laut Schätzungen der Investmentbank CICC von 4,1 Milliarden Dollar im Jahr 2024 auf 16,9 Milliarden Dollar bis 2029. Zweitens deutet der zunehmende Wettbewerb darauf hin, dass die Hersteller weiterhin in Innovationen investieren müssen. Für Nutzer bedeutet das: mehr Auswahl, bessere Technologie und potenziell niedrigere Preise. Drittens zeigt die Plattformstrategie von Creality, dass der Fokus zunehmend auf Ökosystemen liegt – ähnlich wie bei Smartphone-Herstellern. Das könnte in Zukunft bedeuten, dass Drucker und Software noch enger verzahnt werden. Allerdings sollten Nutzer auch die Risiken im Auge behalten: Hohe Abhängigkeit von Nordamerika und Europa (57,3% des Umsatzes) macht Creality anfällig für Zolländerungen, und die Plattform Nexbie muss sich erst noch als echte Bereicherung für die Community beweisen.